Schätzel - Kai & Jule
Rheinhessen, de
Das Weingut Schätzel in Nierstein blickt auf eine über 650 Jahre bestehende Familientradition des Weinbaus am Rhein zurück. Im Jahr 2008 hat Kai Schätzel das 600 Jahre alte Familienweingut in Nierstein am berühmten Roten Hang in Rheinhessen übernommen. Er stellte auf biologisch-dynamischen Anbau um und wurde damit eines von nur zwei Naturweingütern im VDP.
Als stetiger Vordenker und Pionier hat Kai Anfang der 2010er Jahre schon auf ausdruckstarke Silvaner aus alten Rebanlagen gesetzt und gezeigt, dass Riesling Kabinett vom roten Hang denen an der Mosel zum Teil die Leviten lesen kann. Ebenso hat er Riesling Große Gewächse ohne Schwefel auf den Markt gebracht.
2022 ist seine Lebensgefährtin Jule Eichblatt hauptberuflich mit eingestiegen - sie ist seitdem maßgeblich an der Gestaltung der Zukunft des Weinguts beteiligt. Sie gründeten die „Kommune 3000“, eine Art Thinktank, der sich Gedanken darüber macht, wie der Weinbau und die Weine im Jahr 3000 aussehen könnten - angefangen bei der Verpackung bis hin zu zukünftigen Projekte, die gefördert werden und selbstverständlich auch die Arbeit im Weingarten.
Im Weingarten hat sich natürlich viel getan: das Blätterdach wird meist nicht beschnitten und manchmal zu einer Pergola geflochten, um die Wasserverdunstung einzudämmen und die Trauben zu beschatten. Weiters wurde die Bodenbearbeitung sehr minimiert, da diese inzwischen die Ouessant-Schafe mit märchenhaften Hörnern übernehmen und Hühner treiben sich zwischen den Rebzeilen auch herum.
Im Keller stellte Kai nach der Verkostung alter Weine aus ihrem Keller fest, dass sie dank niedrigerer Alkohol- und pH-Werte stabiler waren. Ab diesem Zeitpunkt wird vermehrt auf den pH-Wert geachtet und die Trauben werden bei der Lese gerne ,,al dente’’ ausgewählt. Seit 2018 wird zum Großteil bei den trockenen Weinen auf Sulfite verzichtet, seit 2020 komplett auch auf Filtration - Die Trauben werden mit den Füßen gequetscht und über 12 Stunden oder länger gepresst.Gelagert wird der Wein in alten Stück- und Halbstückfässern (1200 und 600L) des Kellers.
Um das Jahr 2020 herum wurde angefangen die Weine mit Florhefe auszubauen - je mehr Kai davon probierte, desto besser gefiel er ihm, vor allem als er feststellte, dass er zur Stabilisierung der Weine beitrug. Der Flor ist inzwischen ein Markenzeichen, aber man muss betonen dass er geschmacklich nicht gleich dem Jura-Flor ähnelt: der ,,Schätzelflor’’ ist aromatisch diskreter, ohne große Jaune-Aromen oder Dichte.
Seit 2016 schon baut Kai einen Teil jedes Jahrgangs seines Weinguts Pettenthal separat und ohne Zusatz von Sulfiten aus. Ganz sicher war er sich aber nie, was er mit diesen Weinen machen würde, 2024 schließlich hat er eine Mischung der Jahrgänge 2016 bis 2023 in die Flasche gefüllt. Das entstandene Meisterwerk heißt REH Riesling und ist in geringsten Mengen verfügbar und stellt Riesling, so wie wir in kennen, komplett auf den Kopf.
Gott sei dank gibt es auch noch zwei weitere Soleras: den Steiner Silvaner 20-23 und den Steiner Riesling 17-23, preislich viel erschwinglicher aber auf gar keinen Fall weniger spannend. Die Schätzel-Weine vereinen geschmacklich eine süchtig machende Reduktion und Heftigkeit mit diskretem Flor und einem kristallinen Geschmack mit viel Spannung am Gaumen - voller Umami, ohne die typischen Pfirsich- und Zitrusaromen der üblichen deutschen Rieslinge.
Klassische Riesling Kabinetts werden selbstverständlich immer noch produziert und sie sind wie immer großartig - hierbei wird nicht auf Schwefel und Filtration verzichtet.
Was Kai Schätzel an Riesling Kabinett in die Flasche bringt macht weiterhin irrsinnig viel Freude und erzeugt viel Aufregung, beim Konsumenten und auch bei den Mitbewerbern.
© Weingut Schätzel